LA FORTERESSE

Schweiz 2008 – Regie: Fernand Melgar – Originalfassung: Französisch – Untertitel: Englisch – Länge: 100 min.

  • Sa., 09.05.09
    15.00
    Filmmuseum
    OmeU dt. eingespr.
  • Mo., 11.05.09
    17.00
    Carl-Amery-Saal, Gasteig
    OmeU dt. eingespr.

Ein ehemaliges Luxushotel in Vallorbe ist heute eines von fünf "Empfangs- und Verfahrenszentren" in der Schweiz. Betonmauern, Drahtzäune, Videokameras - das streng bewachte, für die Öffentlichkeit unzugängliche Gebäude gleicht einer Festung. In dieser "Eingangsschleuse" nimmt das Schicksal der Asylbewerber aus aller Herren Länder seinen Lauf. Hier wird sortiert und befragt, hier fallen Entscheidungen. Den Neuankömmlingen steht eine schwere Prüfung bevor: das neue, verschärfte Schweizer Asylverfahren von 2006. Zum Nichtstun gezwungen, bangen und hoffen zweihundert Männer, Frauen und Kinder. Wie werden die Behörden entscheiden? Einvernahmen und Expertisen, Verständigungsprobleme, gemeinsames Beten für den Aufenthalt, Fußballspiel im Innenhof, Sprachkurs, Frisörbesuch, Mitarbeitermeetings, die übliche Bürokratie ... Behutsam beobachtet Regisseur Fernand Melgar Asylsuchende, Sozialarbeiter, Psychologen, Übersetzer und Sicherheitsleute in ihrem so geregelten wie gespenstischen Alltag. Melgar, der monatelang um eine Drehgenehmigung gekämpft hatte, findet eindringliche Bilder - ganz ohne Kommentar oder Interviews. Ein sorgfältig komponierter, außergewöhnlicher Film.

"Melgar ist es in einem beispielhaften Balanceakt von Nähe und Distanz, Empathie und rationaler Erwägung gelungen, Menschen, die eine sichere Bleibe suchen, und jene, die sie betreuen und über sie befinden, in ihrem gespenstischen Transit-Alltag zu porträtieren, Geschichten im Beobachten zu erzählen. Man kann sich als Zuschauer nicht entziehen, bleibt aufgewühlt, alle Fragen sind offen und klingen nach. Mehr kann Kino nicht wollen, um brisante Politik zu veranschaulichen" NZZ AM SONNTAG

Pardo d’Oro "Cinéastes du présent", Int. Filmfestival Locarno 2008; Großer Preis "Cinéma vérité", Internationales Filmfestival Teheran 2008; Großer Preis und Lobende Erwähnung für den Schnitt, Rencontres Internationales du film documentaire Montréal 2008; Publikumspreis, Festival dei Popoli, Florenz 2008

Regie FERNAND MELGAR, geb. 1961 in Tanger, Marokko. Seit 1963 lebt der Sohn spanischer Einwanderer in der Schweiz. Anfang der 1980er Jahre ist er in der Kulturszene von Lausanne aktiv. Ab 1983 Arbeiten im Bereich Experimentalfilm und Fernsehreportage. Seit 1985 unabhängiger Autor, Regisseur und Produzent. Melgar arbeitet u.a. innerhalb der Gemeinschaft freier Filmschaffender Climage, die sich für sozialkritische Filme engagiert. Aktuell bereitet er seinen ersten Spielfilm vor.

Filme (Auswahl) 1983 Performances au Musée Deutsch, 1986 Le Musée imaginiaire, 1987 L’homme-nu, 1991 Je zappe donc je suis, 1993 Album de famille, 1995 Malika, 1997 Fous du Jeu, 1998 Classe d’accueil, 2002 Remue-ménage, 2005 La vallée de la jeunesse; Exit, le droit de mourir (DOK.FEST 2006), 2008 La Forteresse

Englischer/Originaltitel: The Fortress. Kamera: Camille Cottagnoud. Ton: Marc Von Sturler. Schnitt: Karine Sudan. Produktion: Association Climage. Produzent*in: Fernand Melgar. Vertrieb: Accent Films International.

Wettbewerb (2002-2009) 2009
  • Sa., 09.05.09
    15.00
    Filmmuseum
    OmeU dt. eingespr.
  • Mo., 11.05.09
    17.00
    Carl-Amery-Saal, Gasteig
    OmeU dt. eingespr.